Vom Truppenübungsplatz zum El Dorado

Der Kreis Düren hat zur Umsetzung der FFH-Richtlinie die Drover Heide in den rechtskräftigen Landschaftsplänen Vettweiß und Kreuzau-Nideggen als Naturschutzgebiet mit einer Größe von ca. 670 ha festgesetzt. Es ist sowohl ein Naturschutz-, als auch Vogelschutz- und FFH-Gebiet. Zudem ist der überwiegende Teil der Drover Heide Fläche des nationalen Naturerbes (NNE-fläche) und mittlerweile im Eigentum der NRW-Stiftung.

Das Gebiet wird von der Biologischen Station Düren seit 1999 zunächst im Auftrag des ehemaligen Eigentümers, der Bundesagentur für Immobilienaufgaben (BIMA), fachlich betreut.


Besenheide in der Drover Heide
Besondere Bedeutung erlangt die Drover Heide als Gebiet mit gemeinschaftlicher Bedeutung im europäischen Schutzgebietsnetz “Natura 2000” mit den gefährdeten Lebensraumtypen der feuchten Lehmheide, der mageren Pfeifengraswiesen und nährstoffarmer Kleingewässer mit Pioniervegetation. Über 600 Kleingewässer und Tümpel beherbergen eine artenreiche Amphibienfauna, oft in wassergefüllten Panzerspuren. In der Tierwelt des Gebietes ist die Vogelwelt mit 12 gefährdeten Brutvogelarten und 25 gefährdeten Gastvogelarten nach der Vogelschutz-Richtlinie der EG von herausragender Bedeutung. Alle in NRW gegenwärtig typischen Heidevogelarten (Leitarten) brüten im Gebiet, darunter vor allem die Arten der Vogelschutz-Richtlinie (Anhang I) Ziegenmelker, Heidelerche und Neuntöter.

Kleinod für seltene Tier- und Pflanzenarten
Was macht nun aber gerade den ehemaligen Truppenübungsplatz Drover Heide für Tier- und Pflanzenarten so interessant, dass die Europäische Union den Erhalt des Gebietes für erforderlich hält? Das Gebiet hat eine 100-jährige militärische Geschichte und wurde bis Ende des Jahres 2004 noch von den belgischen Streitkräften als Übungsplatz genutzt. Es überrascht zunächst, dass ausgerechnet auf dem Truppenübungsplatz besonders viele, heute in der sonstigen Kulturlandschaft seltene Tier- und Pflanzenarten leben und oftmals ihre letzten Rückzugsgebiete gefunden haben. Amphibien wie die Kreuzkröte, der Laubfrosch, verschiedene Molcharten wie z.B. der Kammmolch besiedeln ebenso wie gefährdete Libellenarten die temporären Kleingewässer. Durch den Panzerfahrbetrieb sind über 600 Klein- und Kleinstgewässer entstanden, in denen naturschutzfachlich „der Teufel los ist“.

Seltene Vögel wie Ziegenmelker, Heidelerche oder auch das Schwarzkehlchen brüten am Boden zwischen dem Heidekraut. Mit deutlich über 30 Brutpaaren des hochbedrohten Ziegenmelkers zählt die Drover Heide zu den fünf wichtigsten Brutplätzen dieser Art in NRW. „Sie stehlen bei Nacht, denn am Tage können sie nicht sehen, sie dringen in die Ställe der Hirten und fliegen nach den Eutern der Ziegen um Milch zu saugen. Durch diese Gewalttätigkeit stirbt das Euter ab, und die so gemolkenen Ziegen werden blind.“ So beschrieb bereits Plinius vor gut 1900 Jahren in seiner enzyklopädischen Naturgeschichte eine der bemerkenswertesten Vogelarten unserer heimischen Fauna. Und so fand dieses vermeintliche, dem völlig harmlosen Vogel angedichtete Verhalten sogar Einzug in die wissenschaftlichen Namensgebung: „Caprimulgus“ – übersetzt: Ziegenmelker.

Zum Flyer der NRW-Stiftung zur Drover Heide gelangen Sie hier.